Peter Sönnichsen
Kulturpolitik

Deutschen Einheit | | Nr. 462/15

zu TOP 16: CDU will Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup mit 10.000 Euro fördern

Vor wenigen Tagen haben wir den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. In wenigen Wochen werden wir den 26. Jahrestag des Falls von Mauer und Stacheldraht begehen. Das ist Grund zur Freude – weil die Wiedervereinigung unseres Landes friedlich gelang und nie geahnte Entwicklungen in weiten Teilen Europas folgten.

Das ist Grund zum Gedenken – an 40 Jahre Trennung und vor allem an die Vielzahl von Toten, die an einer barbarischen Grenze ihr Leben verloren haben oder an Menschen, die in der damaligen DDR wegen ihrer freiheitlichen Gedanken verfolgt sowie körperlich und seelisch beeinträchtigt wurden und noch heute an den Folgen leiden.

Das ist Grund für das Bewusstsein, die historische Bedeutung dieser Ereignisse für die Zukunft zu bewahren.

Für junge Menschen ist die Teilung Deutschlands mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen kaum noch vorstellbar. Für sie ist die Einheit selbstverständlich und auch für uns ist sie Normalität geworden. Genau das verpflichtet uns, die die Zeiten des Kalten Krieges miterlebt haben, jedoch, das Wissen um die Teilung für die jungen Menschen zu bewahren und gegen ein Vergessen der Brutalität des SED-Regimes zu kämpfen.

Mit Erlaubnis des Präsidenten zitiere ich den Direktor der Gedenkstätte Hohen-Schönhausen, Dr. Hubertus Knabe: „Der unsägliche Zustand, dass Schüler nicht wissen,
wer Erich Honecker oder Erich Mielke waren oder ob die DDR eine Demokratie oder Diktatur war, steht uns nicht gut zu Gesicht.“

Wenn wir über Erinnerungskultur, Gedenk- und Erinnerungsstätten, über historische Lernorte reden, so gilt dieses auch für die Bedeutung von Teilung und Einheit unseres Landes. Wir dürfen nicht zulassen, dass Dokumente nicht mehr zugänglich sind,
dass Dokumentation und Archivierung immer schwieriger oder gar nicht mehr möglich sind, dass Unkenntnis um sich greift, weil die Zeitzeugen weniger werden.

Andere Bundesländer sind da weiter und wir müssen gar nicht „Point Alpha“ in der Rhön an der heutigen Landesgrenze zwischen Hessen und Thüringen als Beispiel oder Maßstab nehmen.

In der Grenzdokumentationsstelle Lübeck Schlutup müht sich ein ehrenamtlicher Trägerverein nach Kräften, die Aufgaben des Bewahrens und der Erinnerung zu erfüllen.

Wer die Ausstellung bewusst wahrnimmt, der wird erinnert an die Geschichte, gewinnt Einblick in den damaligen Grenzalltag und den Alltag in den beiden deutschen Staaten, der erkennt, dass sich diese Ereignisse nie wiederholen dürfen. Ein Mahnmal auf dem Grundstück erinnert an diejenigen, die ihr Leben ließen oder in ihrem Leben beeinträchtigt wurden.

Ich will auch mögliche Kritikpunkte ansprechen:

Das nur zum Teil erhaltene und leider instandhaltungsbedürftige Gebäude erfordert geeignete Maßnahmen. Die Ausstellung braucht Ergänzung, Aufarbeitung und Pflege. Besucherzahlen müssen gesteigert werden. Objekte in der Nähe, wie beispielsweise das Haus, das zugänglich von der Westseite teilweise auf der Ostseite lag und genutzt wurde, könnte einbezogen werden.

Die in der Kulturförderung ständige Frage, ob eine Maßnahme Aufgabe von Land oder Kommune ist, stellt sich hier nicht, es ist übergeordnete Aufgabe.

Angesichts des Anliegens scheint der Betrag von 10.000 € eher gering zu sein. Es ist ein Anfang! Es werden Projektfinanzierungen für die Aufarbeitung später notwendig.
Es werden das Einwerben von Fördermitteln und Spenden für Investitionen erforderlich.

Aber dafür müssen erst mal die Arbeitsgrundlagen geschaffen werden und das geht nicht ohne begleitende Beratung und Unterstützung als Förderung von Konzepterarbeitungen.

Nochmals:

Das Bewusstsein von Teilung und Einheit muss der jungen Generation vermittelt werden.
Für Ältere und Betroffene ist es Ort der Erinnerung. Für alle ist es Ort der Mahnung. Das gilt es zu erhalten und zu entwickeln. Auch der längste Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt – lassen Sie uns den ersten Schritt tun.

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Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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