Anette Röttger

Anette Röttger
Kultur, Verbraucherschutz, Hochschule

Inklusion | | Nr. 281/20

TOP 20: Inklusion im schulischen Bildungsbereich ist eine Querschnittsaufgabe

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

Bildung hat oberste Priorität.

Nun ist da der achtjährige Junge. Er hat schwere Beeinträchtigungen, weil seine Mutter in der Schwangerschaft Drogen genommen hatte. Er lebt in einer Pflegefamilie. Eine Regelschule kommt für ihn nicht in Frage.

Da ist das kluge und fröhliche Mädchen. Sie hat eine schwere und seltene Erkrankung. Auch sie besucht ein Förderzentrum.

In beiden Fällen sind es starke Eltern, die ganze Teams für die tägliche Begleitung und Umsorgung ihrer Kinder aufgestellt haben.

Da sind diejenigen, die mit ihren ganz individuellen Beeinträchtigungen – sei es beim Lesen, beim Schreiben, beim Rechnen oder im sozial emotionalen Miteinander in den Regelklassen integriert und inklusiv beschult werden. Das sind hier bei uns immerhin 70 % aller Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen.

Ich denke an das kleine schüchterne Mädchen, sie ist gerade eingeschult. Sie berichtet von einem Kind in der Klasse, das den Unterricht regelmäßig massiv stört.

Da ist die kompetente Sozialpädagogin, die sich ganz bewusst für diesen Beruf entschieden hat. Sie erzählt von ihrem Arbeitsalltag und kommt zu folgendem Ergebnis: Keine Beeinträchtigung ist wie die andere. Jeder Einzelfall muss individuell betrachtet werden. Sie versteht sich als ein Teil eines multiprofessionellen Teams. Sie wünscht sich mehr Prävention und eine frühe Diagnostik, ein vertrautes Team und ein beständiges Umfeld für die Kinder sowie eine gute räumliche Ausstattung.

Und jetzt kommen wir:

„Inklusive Bildung bleibt weiter ein wichtiges Ziel der Landespolitik. Wir werden uns auf den qualitativen Ausbau der Inklusion konzentrieren,“ so steht es im Koalitionsvertrag.

Bereits im Januar hat die Landesregierung einen sehr umfangreichen und differenzierten Bericht zur Inklusion im schulischen Bildungsbereich vorgelegt und den Prozess der stetigen Weiterentwicklung der Inklusion hin zu landesweiten Qualitätsstandards klar benannt und das ist gut so.

Im Kern geht es um Antworten auf die Fragen,

  1. wie muss Schule heute aufgestellt sein, damit sie jedem einzelnen Schüler, jeder einzelnen Schülerin gerecht werden kann und
  2. was hilft den Kindern und Jugendlichen am besten.

Um es deutlich zu sagen: Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und wertschätzender Anerkennung, dass wir hier bei uns im Land so viele verschiedene Förderangebote – die Förderzentren und die Inklusion an der Regelschule - vorhalten.

Wir verfügen über fachlich hochqualifizierte und gut vernetzte Akteure, die in multiprofessionellen Teams arbeiten, um den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf passgenau gerecht zu werden und die Eltern unterstützen. Das war nicht immer so und ist keineswegs selbstverständlich.

Es ist uns gelungen, für einen erheblichen Stellenaufwuchs mit jährlich 70 weiteren Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen zu sorgen, die in den Arbeitsfeldern Prävention, Inklusion und am Förderzentrum arbeiten und diese Stellen auch besetzt sind.

Kindheit und Familienstrukturen haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Die Anzahl der SUS mit Förderbedarf hat sich gerade im Bereich emotionale und soziale Entwicklung deutlich erhöht. Die zusätzlichen Kräfte werden vor Ort dringend gebraucht.

Es ist wichtig, dass ein frühes Kennenlernen und eine frühzeitige Diagnostik durch eine kooperative Zusammenarbeit von KITA und Grundschule ein frühes Handeln ermöglichen.

Eine ganze Reihe messbarer Qualitätskriterien sind auf den Weg gebracht oder stehen kurz vor der Umsetzung: Die Doppelbesetzung in der Grundschule, die Sprachstandserhebung, eine Feststellungsdiagnostik in Diagnosezentren oder temporäre intensiv pädagogische Maßnahmen, bis hin zum Landesförderzentrum Autismus.

Inklusion im schulischen Bildungsbereich ist eine Querschnittsaufgabe, ein langfristiger Prozess und untrennbarer Bestandteil schulischer Bildung und beruflicher Orientierung.

Bildung hat oberste Priorität. Unsere Kinder brauchen so viel gemeinsame Beschulung wie möglich und so viel individuelle Unterstützung wie nötig.

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Sprechen Sie uns an:


Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

http://www.cdu.ltsh.de

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