Tobias von der Heide

Tobias von der Heide
Bildung, Jugend, Kirche

Schule | | Nr. 200/19

(TOP 2) Schulen nicht in Unruhe versetzen

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass meine Fraktion große Sympathien dafür hat, an Schulen mehr Differenzierung zuzulassen, das gilt auch für abschlussbezogene Klassen. Wie Sie auch alle wissen, haben wir uns im Bildungsausschuss im Rahmen einer umfangreichen schriftlichen Anhörung mit diesem Gesetzentwurf beschäftigt und sind in der Koalition zu dem Entschluss gekommen, dass wir aufgrund der Anhörung keine Änderung des Schulgesetzes vornehmen wollen. Denn eine deutliche Mehrheit hat sich gegen eine Änderung des Schulgesetzes in dieser Frage ausgesprochen. Es ist uns als Jamaika-Koalition sehr wichtig, die Schulen nicht in Unruhe zu versetzen.

Ich will aber kurze die Gelegenheit nutzen drei Gedanken aus fachlicher Sicht in dieser Frage anzumerken:

Das Grundkonzept der Gemeinschaftsschule sieht ausdrücklich vor, dass in binnendifferenzierter Form unterrichtet werden soll. Es heißt im Schulgesetz:

  1. „Den unterschiedlichen Leistungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler wird durch Unterricht in binnendifferenzierender Form entsprochen.“ Soweit so gut. Allerdings finden wir auch die ergänzende Regelung. Ich zitiere: „Abweichend hiervon können ab der Jahrgangsstufe sieben in einzelnen Fächern nach Leistungsfähigkeit und Neigung der Schülerinnen und Schüler differenzierte Lerngruppen gebildet werden“. Differenzierung ist also heute schon möglich, auch wenn man sich da noch mehr vorstellen könnte.

  2. Die Erfahrung zeigt, dass Differenzierung nicht immer zu besseren Ergebnissen führt. Sollte man Veränderung an diesem Punkt anstreben, muss man sich genau überlegen, wie man diese umsetzt. Das gilt insbesondere für die unteren Leistungsgruppen. Wir haben an der Entwicklung der Hauptschule gerade in der Endzeit dieser Schulart beobachten müssen, dass sich trotz guter pädagogischer Arbeit Restschulen entwickelt haben. Das hat Auswirkung auf Einstellung und Motivation von Schülerinnen und Schüler und damit auch auf Lernerfolge. Das heißt, wenn man auf stärke Differenzierung setzen möchte, dann muss man auch kluge Konzepte dafür entwickeln, um Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Dazu reicht eine Schulgesetzänderung alleine in jedem Fall nicht aus.

  3. Ich mach seit fast 20 Jahren Bildungspolitik in Schleswig-Holstein. Ich erinnere mich noch sehr gut an Zeiten, wo Bildungsdebatten in erster Linie ideologische Debatten waren. Die einen kämpften für das dreigliedrige Schulsystem, die anderen für die Schule für alle. Ich finde es gut und richtig, dass wir uns mittlerweile in den Schuldebatten im Wesentlichen auf Sachfragen konzentrieren und mit dem System aus Gemeinschaftsschulen und Gymnasien ein Schulsystem gefunden haben, das in diesem Haus aber auch im gesamten Land sehr große Akzeptanz hat. Und mittlerweile wissen wir auch, dass das Schulsystem gar nicht so entscheidend für den Lernerfolg von Schülern ist. Wichtiger ist die Ausstattung und Ausbildung der Lehrkraft im Klassenraum. Das sollte unser Fokus sein. Und deshalb kümmern wir uns um die Unterrichtsversorgung als höchste Priorität und solche Programme wie den gerade diskutierten Bildungsbonus.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns in diesem Sinne für bessere Bildungspolitik in Schleswig-Holstein stark machen.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.

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Verantwortlich:
Kai Pörksen
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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