Tobias Loose

Tobias Loose
Bildungspolitik

Schule | | Nr. 252/18

(TOP 17) Zeitgemäße Beurteilung wird längst praktiziert

Es gilt das gesprochene Wort

Sperrfrist Redebeginn

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Betragen, Mitarbeit, Fleiß und Ordnung sollen nach dem Antrag der AfD Maßstäbe für eine gute Wertevermittlung sein. Als ich den Antrag das erste Mal gelesen habe, musste ich unvermittelt an den Film "die Feuerzangenbowle" denken. Und in der Tat erscheinen mir die Kategorien, die Sie hier vorschlagen, etwas verstaubt und aus der Zeit gefallen. Ich glaube, dass selbst der Oberprimaner Pfeiffer mit diesem Mittel wohl kaum zu bändigen gewesen wäre.

Ihr Ansinnen allerdings teile ich. Über fachliche Leistung hinaus ist auch das grundsätzliche Verhalten von Schülerinnen und Schüler von Bedeutung. Allerdings bleibt zu bedenken, dass das oft Kategorien sind, die nicht oder nicht alleine in der Schule vermittelt werden. Erziehung ist und bleibt nach unserer Auffassung auch Aufgabe der Eltern. Eine Benotung in der Schule sollte kein Selbstzweck sein. Stattdessen sollte es möglich sein, an bewerteten Kriterien im Unterricht und in der Schule auch gezielt zu arbeiten. Das ist bei Ihren Kopfnotenkategorien nicht ganz einfach, denn ohne die intensive Einbindung der Eltern wird man hier wahrscheinlich wenig Erfolge vorweisen können. Eine Kopfnote in dieser Form ist fast mehr eine Benotung der Erziehungsleistung der Eltern.

Neben diesem Grundproblem sind aus meiner Sicht die vorgeschlagenen Kategorien nicht zeitgemäß. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich in den vergangenen Jahren für ein Unternehmen gearbeitet und während meiner Tätigkeit über 100 Einstellungen vorgenommen. Dabei ging es neben fachlicher Eignung weniger um Tugenden, sondern um Kompetenzen von Bewerbern.

Zum Ersten die persönlichen Kompetenzen, wie Selbstbewusstsein, Motivation, Selbsteinschätzung. Zweitens die sozialen Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Kritikfähigkeit. Und drittens methodische Kompetenzen wie Zeitmanagement und die Fähigkeit der strukturierten Problemlösung. Das sind die Kompetenzen, die immer wichtiger für den zukünftigen Lebensweg werden.

Heute gibt es schon Regelungen. Diese Eigenschaften zu bewerten ist allerdings auch in der heutigen Schule in Schleswig-Holstein nicht neu.

In der Zeugnisverordnung heißt es dazu: Vermerke über Beschlüsse der Klassenkonferenz zur verbalen oder tabellarischen Beschreibung des allgemeinen Lernverhaltens und des Sozialverhaltens sind möglich; dabei sind für das allgemeine Lernverhalten die Kriterien Arbeitsorganisation, Anwendung von Methoden, Konzentration, Selbstständigkeit und Engagement zu berücksichtigen, die Aussagen über das Sozialverhalten beziehen sich auf die Kriterien Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit.“

Wie ausgeführt werden wir mit dieser Regelung einer zeitgemäßen Beurteilung gerecht. Also: Es gibt bereits eine Form von Kopfnoten in Schleswig-Holstein, welche sich bewährt haben und keiner antiquarischen Nachbesserung bedürfen. AfD bedient sich an Konzepten von Sozialisten.

Daneben sei angemerkt, dass der Ursprung der Kopfnoten in der vorgeschlagenen Variante schon eine bemerkenswerte Quelle hat. Und nun hören Sie gut zu. Richtig ist zwar, dass Sachsen ein solches Prinzip heute noch vollzieht. Allerdings sind die Regelungen ein Relikt aus der ehemaligen DDR. Während viele andere Bundesländer die Kopfnoten aus guten Gründen gestrichen haben, will die AfD diese einführen.

Kurzum ich bedanke mich in aller Form für die Möglichkeit, mich mit diesem Thema auseinandersetzen zu dürfen. Es bleibt dabei, dass die Benotung von Tugenden in der vorgeschlagenen Form kein Beitrag ist, den wir unterstützen wollen. Daher lehnen wir Ihren Antrag ab.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.

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Kai Pörksen
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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