Anette Röttger

Anette Röttger
Kultur, Verbraucherschutz, Hochschule

Kulturschaffende | | Nr. 443/20

TOP 2: Kulturschaffende brauchen unsere ganze Unterstützung!

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,

„Kultur ist kein Ornament. Sie ist das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft steht und auf das sie baut. Es ist Aufgabe der Politik, dieses zu sichern und zu stärken.“ So steht es in der Präambel der Enquete Kommission „Kultur in Deutschland“ in der Drucksache des Bundestages aus dem Dezember 2007. „Kultur ist nicht nur systemrelevant, sie ist lebensrelevant“, so heißt es in einem Notruf aus der Lübecker Musikhochschule.

Wer einen Notruf aussendet, braucht dringend Hilfe. Schnell und unverzüglich, manchmal besteht sogar Lebensgefahr. Es ist die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche, die den Notruf aussendet. Sie ist seit rund 8 Monaten durch die Corona Pandemie komplett lahmgelegt – plötzlich und unerwartet, in Teilen mit lebensbedrohlichen Folgen. Und wenn wir im Bild bleiben. Es hat in diesen Monaten viele gute kreative Beispiele gegeben, in denen Kulturschaffende wieder aufgestanden sind, um ihr Angebot zum Laufen zu bringen. Manches neue überzeugende Format ist entstanden, manches ist digital im Netz zu finden und vieles davon begeistert und fasziniert uns.

Aus Landesmitteln von insgesamt rund 25 Millionen Euro sind Corona-Hilfen zur Verfügung gestellt worden, die an vielen Stellen für eine Linderung der akuten Schmerzen gesorgt haben. Mit großartiger Unterstützung des Landeskulturverbandes konnte die Soforthilfe Kultur I zeitnah in Höhe von rund 3 Millionen Euro ausgeschüttet werden, das Verfahren zur Soforthilfe II läuft gerade noch. Die Anträge zur digitalen Infrastruktur konnten mit Hilfe der Landesbibliothek erfolgreich bewilligt werden und wirken in die Zukunft. Und auch die Kulturabteilung und unsere Kulturministerin haben sich in Land und Bund sehr stark für unsere Kultur in Schleswig-Holstein engagiert. Zudem erleben wir eine hohe gesellschaftliche Solidarität und Spendenbereitschaft. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank.

Aber wenn wir ehrlich miteinander sind, läuft es an vielen Stellen immer noch nicht so, wie wir es uns wünschen. Geld, das ist eine Seite der Medaille, was der Verzicht auf Kultur mit den Menschen macht, ist die andere Seite. Ich kann nur sagen: Wir vermissen einander sehr und ich meine dabei nicht nur die öffentlichen Kultureinrichtungen, sondern auch die vielen engagierten Programme privater, gemeinnütziger und kirchlicher Kulturträger. Wir vermissen die vielen kleinen Erlebnisse in der Freizeit, die unser Leben bereichern, die Feste, den Tanz. Uns fehlen die Chöre, der Gesang und all das, was unser Herz auf ganz besondere Weise erfüllt. Auch hier im Landeshaus ist es ohne Festveranstaltungen, Lesungen oder Ausstellungen im wahrsten Sinne des Wortes „kühler“ geworden. Und: Die Dauer trägt die Last.

Kultur macht uns zu glücklichen Menschen, prägt die Einzigartigkeit unseres Bundeslandes, fördert die Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt, lockt die Touristen hierher und ist ein ganz erheblicher Wirtschaftsfaktor. Dafür gilt allen Kulturschaffenden und der Veranstaltungsbranche unser großer Dank! Ohne Sie ist es sehr schnell sehr still geworden. Die Betroffenheit zieht sich durch alle Sparten vom Theater, Kino, Film, Tanz bis hin zu Museen und Erinnerungsstätten. Chöre und Orchester im Haupt- oder Ehrenamt sind genauso betroffen wie die großen und so beliebten Festivals. 2020 gab es hier keine Festspiele.

Und dennoch haben sich gute Beispiele entwickelt: Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat mit dem Sommer der Möglichkeiten das möglich gemacht, was unter Corona-Bedingungen gestattet war und das war dabei sehr erfolgreich! Dänische Musiker, die mit Trecker und Anhänger bei herrlichem Sommerwetter hier im Land unterwegs waren, haben für unvergessliche Erlebnisse gesorgt. Ich danke Christian Kuhnt und seinem Team für diesen gelungenen Sommer der Möglichkeiten und für ein Festival klein aber fein! Mit dem Kulturfestival hat die Staatskanzlei in Zeiten von Corona ein neues Format geschaffen und sowohl der Veranstaltungsbranche als auch einigen Künstlern einen Auftritt ermöglicht, der auch digital zu sehen war. Im Bericht der Ministerin haben wir darüber näheres erfahren. Vielen Dank für diesen Bericht und herzlichen Dank an alle Beteiligten, die dieses Festival ermöglicht haben.

Künstler und Kulturschaffende haben sich mit viel Kreativität und in der Regel in großer Bescheidenheit dieser besonderen Zeit gestellt. Sie haben Hygienekonzepte entwickelt, damit Proben wieder möglich werden konnten. Aber sie haben in diesem Jahr in erster Linie verzichtet: Verzichtet auf den Auftritt, verzichtet auf ein Publikum, verzichtet auf Gage oder Eintrittsgelder. Mir bleibt es wichtig und es ist folgerichtig, dass wir uns hier im Land aber auch im Bund um den Notruf der Kultur kümmern. Wer die Branche jetzt überfordert, lähmt den Erholungsprozess. Kulturschaffende brauchen mehr als ein Schmerzensgeld und eine Überlebenshilfe. Sie brauchen unsere ganze Unterstützung seelisch, moralisch und monetär.

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Sprechen Sie uns an:


Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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