Tim Brockmann

Tim Brockmann
St. Fraktionsvorsitzender, Hochschule, Forschung, Medien, Polizei

Künstliche Intelligenz | | Nr. 035/19

(TOP 12) Landesstrategie für Künstliche Intelligenz entwickeln

Es gilt das gesprochene Wort
Sperrfrist Redebeginn

Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

das Wissenschaftsjahr 2019 wird sich mit den Chancen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz widmen. Daher ist es gut, dass dieses Thema nun auch den Schleswig-Holsteinischen Landtag erreicht hat.

Denn auch wir spüren, dass die Künstliche Intelligenz immer mehr Einzug in unseren Alltag hält, sich aber auch gleichzeitig eine besorgte Stimmung verbreitet, ob die Künstliche Intelligenz wirklich uns Menschen dient und mit ihr neue Wertschöpfungspotenziale erschlossen werden können.

Insofern ist es gut und richtig, dass wir das Thema heute diskutieren. Denn eins steht doch schon fest: Die stetige Weiterentwicklung der Künstliche Intelligenz wird unser Leben und unsere Gesellschaft verändern. Als Politik dürfen wir aber diese Veränderung nicht der Künstlichen Intelligenz alleine überlassen, sondern wir müssen als Politik sicherstellen, dass die Technik den Menschen hilft, dass der Mensch auch zukünftig im Mittelpunkt steht.

Dabei stellen sich viele Fragen: Wie kann die Sicherheit von KI-basierten Systemen gewährleistet werden? Wie können wir sicherstellen, dass Menschen die Kontrolle behalten? Welche Arbeitsplätze sind gefährdet? Werden neue Arbeitsplätze geschaffen? Und wie werden diejenigen, die, trotz aller Anstrengungen keinen neuen Arbeitsplatz finden, abgesichert?

Ganz ehrlich: Das sind alles berechtigte Fragen, die eine umfassende Antwort benötigen.

Auch wir in Schleswig-Holstein müssen uns mit Chancen, Herausforderungen und auch Risiken der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzen. Liebe SPD, lieber Kollege Dr. Dunckel natürlich ist es sinnvoll über eine wissenschaftliche Verortung nachzudenken, sich aber auf eine einzelne Professur festzulegen, welche sich nur mit sozialen Folgen beschäftigt, ist aus unserer Sicht zu kurz gesprungen. Wir müssen erstmal wissen, wo wir stehen und wo wir eigentlich hinwollen. Als Fazit kann das Ergebnis natürlich sein, dass wir an dieser Stelle eine Stärkung des Forschungsbereichs benötigen.

Ich möchte aber betonen, dass wir uns der sozialen Veränderungen bewusst sind, das bestreitet gar keiner. Aber der einzige Weg, Arbeit und Wohlfahrt unter den neuen Herausforderungen zu erhalten, ist, dass wir die technologische Forschung vorantreiben, Unternehmen mit innovativen KI-basierten Ideen unterstützen und den Menschen die Furcht vor der Künstlichen Intelligenz nehmen, in dem wir aktiv den Rahmen gestalten.

Meine Damen und Herren,

eine Studie des statistischen Bundesamtes besagt, dass 88% aller Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Künstliche Intelligenz hat keinen Sekundenschlaf, Künstliche Intelligenz ist nicht abgelenkt durchs Smartphone und Künstliche Intelligenz trinkt keinen Alkohol. Ein Netzwerk aus miteinander kommunizierenden selbstfahrenden Autos könnte also die Gefahr im Straßenverkehr auf ein Minimum reduzieren und würde vielleicht auch jeden einzelnen am Ende schneller ans Ziel bringen.

Künstliche Intelligenz kann auch dazu beitragen, besser Diagnosen in der Medizin zu erstellen und damit Behandlungsfehler zu verhindern.

Beides positive Beispiele, die zeigen, welches enorme Potenzial in der Künstlichen Intelligenz steckt. Andererseits darf auch nicht ausgeblendet werden, welche konkreten Missbrauchsgefahren, wie etwa autonome Waffensysteme oder das Hacken von Computern, von der Künstlichen Intelligenz ausgehen können. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich die Mehrheit der Bundesbürger für eine starke Regulierung der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ausspricht.

Deshalb begrüßen wir es, dass auch die Landesregierung sich diesem Thema bereits angenommen hat und einen eigenen Handlungsrahmen Künstliche Intelligenz entwickeln will, in dem auch ethische, rechtliche und organisatorische Fragestellungen unter Hinzuziehung der Wissenschaft diskutiert und einfließen werden.

Dabei ist es wichtig, dass auch die Entwicklungen auf Bundes- und EU-Ebene nicht außer Acht gelassen werden. An den dort entstehenden Strategien muss auch Schleswig-Holstein partizipieren. Insofern kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, warum in der „Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung“ nur in Ostdeutschland regionale Zukunftszentren modellhaft entstehen sollen. Auch Schleswig-Holstein bietet sich hervorragend als Modellregion an, um Maßnahmen und Projekte für Künstliche Intelligenz im peripheren Raum zu entwickeln. Aber ich bin mir sicher, die Landesregierung und insbesondere der Ministerpräsident haben dieses Thema im Blick und werden sich intensiv für die Interessen Schleswig-Holsteins auf Bundesebene einsetzen.

Wir brauchen eine eigene Strategie, die zum einen auf unsere regionalen Bedürfnisse von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft abgestimmt ist und zum anderen die Ideen und Leitlinien der Bundes- und EU-Ebene aufnimmt. Ziel muss es sein, dass europäische Standards geschaffen werden, um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein. Dabei muss Deutschland und auch Schleswig-Holstein seine eigenen Akzente setzen und ein mutiges Netzwerk von Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik schaffen.

Den Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommt dabei eine essentielle Aufgabe zu. Sie sollen Impulsgeber und Entwicklungslabor des Fortschritts sein und dahingehend bestmöglich gefördert werden. Es gilt die Landesstrategie zukünftig in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen zu berücksichtigen, denn wir brauchen nicht nur eine Professur, sondern einen interdisziplinäre Forschungsstrang, der sowohl technologische als auch gesellschaftliche Fragen miteinander verknüpft.

Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.

Vielen Dank!

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Verantwortlich:
Kai Pörksen
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

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